Tiefe Bachtäler mit Wiesen und Weiden, waldreiche Hochflächen – diese Gegend hat ihren ganz eigenen Reiz. Wer die Schieferbrüche noch nicht kennt, hat definitiv etwas verpasst: In den Nischen der fast 100 Meter hohen Steilwände brüten Uhu und Turmfalke. Seltene Moose mit spektakulären Namen wie Kleinfrüchtige Zackenmütze und bereits als verschollen angesehene Krustenflechten konnten hier wiederentdeckt werden.

Das „Blaue Gold“ machte das Thüringer Schiefergebirge nicht nur berühmt, sondern prägt sein Antlitz bis heute in besonderer Weise: Wer das Leuchten der untergehenden Sonne auf den schiefergedeckten Dächern und Fassaden einmal erlebt hat, wird dies bestätigen. Auch laden zahlreiche geologische Aufschlüsse, sogenannte Geotope, dazu ein, die Urkräfte der Erde zu bestaunen.

Blütezeit

Doch das Blaue Gold bietet weit mehr. Die „Steinerne Heide“ – der Höhenrücken nördlich des Rennsteigs zwischen dem Loquitz- und dem Sormitztal – war das Zentrum der Schiefergewinnung im fränkisch-thüringischen Mittelgebirgsraum. Das gesamte Bergbaurevier beiderseits der Landesgrenze reicht von Steinach bei Sonneberg im Westen bis Untertiefengrün bei Berg im Osten. In Lehesten ist der Schieferabbau seit dem 15. Jahrhundert schriftlich belegt. Die Blütezeit des Lehestener Schieferbergbaus war das 19. Jahrhundert, als sich das Naturgestein für die Unternehmer als „Blaues Gold“ erwies.

Während in Lehesten große Mengen Dach- und Wandschiefer produziert wurden, lebte man im Raum Ludwigsstadt von einem Spezialprodukt: Bis 1970 wurden Schiefertafeln für den weltweiten Export gefertigt, bis 1989 entstanden noch einzelne Exemplare als Sonderanfertigungen für nostalgische Zwecke.


Unter fachkundiger Anleitung kann man im Technischen Denkmal „Historischer Schieferbergbau Lehesten die Verarbeitung des Schiefers zu Dach- und Fassadenschiefer nachempfinden. (c) Fotokönig

Heute wird nur noch vereinzelt Schiefer gewonnen und verarbeitet. Die Produktion reicht von Schiefermehl, Schiefersplitt, Blähschiefer, Steinwolle und Wegeplatten. Auch wird der Schiefer zur Produktion regionaler Souvenirs verwendet. So entstehen edle Thermometer, Uhren oder auch Untersetzer für Thüringer Tischkulturen und über die Landesgrenzen hinaus.

Zahlreiche Museen und Ausstellungen haben das Gestein als Museumsobjekt aufgenommen. Entlang der Thüringisch-Fränkischen Schieferstraße lassen sich jene Museen mannigfaltig erleben und auf unterschiedliche Weisen erkunden. Sie sind ein eindrucksvoller Beleg für die Vielfalt der Verwendungen des Blauen Goldes.