Entstehung und Zusammensetzung des Lehestener Schiefers

Das geologisch als Schiefer definierte Gestein hat viel unterschiedliche mineralische Zusammensetzungen und Vorkommen. Hier soll sich nur auf das qualitativ hervorragende Dachschieferlager in der Region um Lehesten bezogen werden, bekannt als „Blaues Gold“.

Die erdgeschichtlichen Zeiträume werden in kaum vorstellbaren Millionen von Jahren gemessen und fassen die Veränderungen an der Erdoberflächen theoretisch zusammen. Aus einem Urkontinent begannen durch innere vulkanische Kräfte und die Erdumdrehung einzelne Schollen Auseinanderzudriften. Es entstanden die Kontinente Laurussia und Gondwana.

Lehesten in der Nähe des Äquators!

Das Lehestener Gebiet befand sich damals noch in der Nähe des Äquators und war weitestgehend von Wasser bedeckt! Die ständigen Wasserbewegungen spülten in Millionen von Jahren vor allem die weicheren Bestandteile der noch relativ jungen Gesteinsarten aus. Diese lagerten sich in den ruhigen Regionen des Meeres ab. Im erdgeschichtlichen Unterkarbon (Kulm) vor 330 Millionen Jahren bildete sich durch Gegendrift der beiden Kontinente das variszische Thüringer Schiefergebirge (Saxothuringikum) durch Aufpressung mit den Tonschlammmeeresablagerungen. Unter ungeheurem Druck und Durchwärmung während dieses Prozesses entstanden hochfeste Tonschiefer (Sedimentgestein) mit den darin eingelagerten Dachschieferhorizonten. Diese wurden zusätzlich in der Phase der variszischen Gebirgsbildung in mächtige Falten geformt!



Da es in dieser Zeit schon Leben auf der Erde gab, haben natürlich auch die Übrigbleibsel dieser Lebensformen wie Pflanzen und Meerestiere die Qualität und Farbe des Schiefers durch das Einbinden von Kohlenstoff bestimmt. Eingelagerte Fossilien sind hier nur sehr selten gefunden worden, da diese nach Auffaltung der Lagerschenkel durch Druck von oben und der dabei entstandenen Glimmerbildung regelrecht zerschnitten wurden. Die ausgeprägte Glimmerbildung ermöglichte allerdings die extreme Dünnspaltigkeit des Lehestener Schiefers.

Außer dieser Eigenschaft besitzt der blaue Lagerstein eine dauerhafte Witterungs – und Farbbeständigkeit. Der Schiefer kann an einzelnen Gebäuden aufgrund seiner geologischen Besonderheiten nach Umdeckungen über 100 Jahre verwendet werden!


Zusammensetzung | Bestandteile

– Mineralogisch

  • Quarz 39,0 %
  • Glimmerminerale (Gerizit, Illit, Chlorit) 56,0 %
  • Feldspat (Plagioklas) 5,0 %
  • Nebengemengeteile und Akzessorien (Albit, Rutil, Biotit, Kolzit, Pyrit) je kleiner als 1,0 %
    – Chemisch
  • Silizium / Quarz SiO 64,0 %
  • Tonerde Al2O3 20,0 %
  • Eisenoxid FE2O3 7,5 %
  • Kalk CaO 0,1 %
  • Magnesia MgO 0,5 %
  • Kali K2O 3,0 %
  • Kohlendioxid CO2 0,2 %
  • Eisenkies FeS2 0,5 %
  • Org. Substanzen & Wasser CH2O 4,2 %

Zur Ausbeute des Rohsteins

Das eigentlich abbauwürdige Dachschieferlager hat eine Mächtigkeit von maximal 20m und die bergmännische Weitsicht im Erkennen der geologischen Beschaffenheit hatte großen Einfluss auf die Ausbeute des Rohsteins, wie der frisch gewonnene Gestein bezeichnet wird. Vor allem die einzelnen wiederkehrenden Schichtungen gaben die entsprechenden Informationen für das Auffinden des begehrten Lagersteins, bekannt als Blaues Gold.

Über diese können Sie am Standort des „National bedeutsamen Geotops“ und auf einem der Geopfade durch den Kießlichbruch informieren. Saisonal werden Führungen am Technischen Denkmal „Historischer Schieferbergbau Lehesten“ angeboten.

Eine für die Bergleute unangenehme Begleiterscheinung waren die teilweise eingelagerten Toneisensteinkonkretionen. Sie wurden als Kieskalk, Mausenest oder Mausbeutel bezeichnet, störten die glatte Schieferung, waren schwer und besaßen eine große Härte bei 2 – 3m Durchmesser. Im Kern befand sich feinkristaliner Siderit und an der 2 – 3cm dicken Schale hatten sich tonigkarbonatische Pyrite (FeS2) in Kristallform gebildet – bekannt als „Katzengold„!

Das Dachschieferlager mit seinen abbauwürdigsten Teilen erstreckt sich von Lehesten über Röttersdorf, Wurzbach, Schmiedebach, Lichtentanne, Roda, Unterloquitz bis nach Probstzella. Entlang der Thüringisch – Fränkischen Schieferstraße kann man die Tagebaurestlöcher und Halden der damaligen Dachschiefergewinnung besichtigen. Auch der gut ausgeschilderte Schieferpfad ist eine Möglichkeit den vielfältigen und interessanten Schieferbergbau im Schiefergebirge besser kennenzulernen.