Die Entstehung des Denkmalensembles „Historischer Schieferbergbau Lehesten“

Nach Aufgabe der Produktion von Dach- und Wandschiefer in der Doppelspalthütte auf dem Standort „Kießlich“ 1964 erfolgte die Herstellung in den neu erbauten Hütten am oberen Zechenplatz. Die nun leerstehenden Funktionsgebäude, als historisches Industrieensemble im tiefsten Grenzsperrgebiet gelegen, dienten in der Folge als Dumperwerkstatt, Materiallager und Garagen. Am Platz des heutigen Modelldorfes stand einst eine Dieseltankstelle und große Mengen an Grubenholz wurden dort abgelagert. Die Erhaltung der Gebäude hatte nun logischerweise keine Bedeutung mehr für den Betrieb.

Persönliches Engagement als Rettung

Doch es gab Menschen, die schon in den 50er Jahren die einmalige Bedeutung dieses kulturhistorischen Industrieensemble erkannten. 1974 erfolgte deshalb die Eintragung der Göpelschachtanlage in die Denkmalliste der DDR. Federführend setzten sich vor allem der anerkannte Denkmalpfleger Prof. Dr. O. Wagenbreth und der damalige Werksgeologe Dr. R. Schubert dafür ein.

In der Folge konnten nach Startschwierigkeiten finanzielle Mittel bereitgestellt werden und die Göpelschachtanlage bis 1979 nach Sanierung des Balkentragwerkes und anschließender Schieferneueindeckung vor weiteren Schäden gesichert werden. Die Doppelspalthütte allerdings verfiel immer mehr und sollte Anfang der 80er Jahre im Rahmen einer Großübung der betrieblichen Kampfgruppe, Feuerwehr und Zivilverteidigung abgerissen werden. Termin war ein Sonnabendvormittag und perfekt mit schwerer Technik vorbereitet. Allerdings wurde dieser Einsatz zum großen Bedauern der Offiziere des Grenzregimentes Plauen (Beseitigung von Schlupfwinkeln in Nähe der Staatsgrenze) buchstäblich in letzter Minute am Freitagnachmittag abgeblasen. Auch hier waren die bereits oben genannten unermüdlichen Fürsprecher zur Erhaltung besonders wichtiger und aussagekräftiger Industriedenkmale gerade noch rechtzeitig zum Ziel gekommen.

Anfang 1980 wurde auch die Doppelspalthütte in die Industriedenkmalliste der DDR aufgenommen. In einer ersten Studie 1981/82 kam sehr deutlich zum Ausdruck, dass der vorhandene Gesamtkomplex mit Gewinnung und den Gebäuden der Förderung und Verarbeitung einen außerordentlichen und einmaligen Wert als Technisches Denkmal der Schieferindustrie besitzt. Doch es dauerte bis zur Veränderung der politischen Situation in Deutschland und mit Wegfall des Sperrgebietes bekam der ausgewiesene Denkmalkomplex plötzlich eine herausragende touristische Bedeutung für der Stadt Lehesten. Mit großartiger Unterstützung des Landes Thüringen, der Denkmalbehörden des Landkreises Lobenstein, der Stadt Lehesten, des Arbeitsamtes Lobenstein und der Thüringer Schiefergruben GmbH Unterloquitz konnte der Aufbau bereits 1991 nach erfolgter Projektplanung begonnen werden.

Für den Publikumsverkehr geöffnet

1993 erfolgte die offizielle Eröffnung und stolz konnten die Lehestener diese neue, ihre historischen Wurzeln würdigende Einrichtung, den vielen Gästen und Besuchern vorstellen. Von 1993 bis 2013 ließen sich immerhin 157 000 Menschen über die relativ unbekannte Arbeitswelt der Schieferarbeiter informieren. Fast alle Besucher kennen zwar den Schiefer vom An- und Aussehen her, aber wie er hergestellt wurde, wissen die Wenigsten. Jeder Schiefer ist ein Unikat und ging vor dem Verkauf durch viele Hände. Der Letzte der ihn in die Hand nimmt, ist der Dachdecker. Diese Handwerkerkunst gehört deshalb auch in das Technische Denkmal und im 2008 eröffneten Modelldorf können die filigranen Dacheindeckungen in Miniaturform bewundert werden.

Das Technische Denkmal als Industrieensemble wurde 2000 in die rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts „Thüringer Schieferpark Lehesten“ überführt und ist alleiniger Besitzer von ca. 38 ha. Sie wird ehrenamtlich von einem Vorstand und einem Kuratorium geführt. Sie finanziert sich ausschließlich über Eintrittsgelder, Souvenirverkauf und der Spendenbereitschaft regionaler Gönner. Die Sanierungen der noch nicht in die regelmäßigen Führungen einbezogenen Funktionsgebäude sind deshalb ohne Projektförderungen des Landes und weiterer Zuschüsse bzw. Spenden nicht möglich. Trotzdem hat die Stiftung die Attraktivität des technischen Denkmals jährlich erhöhen können. Sie ist auch ein zentraler Anlaufpunkt des „Geopark Schieferland“ und bietet seit 2013/2014 zwei interessante Geopfade für individuelle Informationen auch einem „National bedeutsamen Geotop“ verbunden mit Wanderungen durch das hochwertige Naturschutzgebiet an.

Weitere Informationen zur Entstehung des Schiefers, der Gewinnung, Förderung und Verarbeitung zu Dach – und Wandschiefer erfahren Sie im Rahmen öffentlicher Führungen (ca. 1 Std.) im Denkmalkomplex „Historischer Schieferbergbau Lehesten“.


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